Freiberger in der Gold- und Silberbergbaustadt Schemnitz zu Gast Drucken

Seit den Gründungen der Bergakademien in Schemnitz (heute Banska Stiavnica) und in Freiberg gab es zwischen diesen zwei Montanuniversitäten freundschaftliche aber auch rivalisierende Kontakte, sind doch beide der Meinung, dass ihre Akademie die Älteste in der Welt sei.

Die freundschaftlichen Kontakte wurden im September 2005 neu geknüpft, diesmal durch die Bergbauvereine beider Städte. Im Vorjahr nahm der Vereinsvorsitzende der Freiberger mit der Unterstützung und über die SAXONIA-FREIBERG-STIFTUNG an einem Symposium in Banska Stiavnica teil. Zu dieser Veranstaltung stellte Knut Neumann nicht nur die Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft und die Entwicklung der sächsischen Berg- und Hüttenuniform vor, sondern er knüpfte auch Kontakte zum dortigen Bergbauverein.

Als sich herausstellte, dass die Fahrt zur Parade nach Osaka/Japan u. a. an den nicht vorhandenen Tänzen der Freiberger scheiterte, kam die Einladung in die Slowakei für 56 Vereinsmitglieder genau richtig. Dank Prof. Bauer von der Universität in Kosice und dem slowakischen Vereinsvorsitzenden Eric Sombati konnten kurzfristig noch alle organisatorischen Fragen geklärt werden.

Am Donnerstag, demn 8. September, war es dann so weit, früh um 4.00 Uhr ging es in Richtung Banska Stiavnica. Mit im Gepäck hatte natürlich jeder seine historische Uniform, und alle waren auf den Salamandergang, wie die Schemnitzer ihren Aufzug nennen, gespannt. Nach der langen Fahrt wurden die Gäste aus Freiberg mit der Historie der ehemaligen Bergbaustadt am Rande des Stiavnicaer Gebirges vertraut gemacht. Heute verzeichnet die einst reiche Region mehr Arbeitslose als das Freiberger Land und für die Stillegung des Bergbaus, der Tabak verarbeitenden Industrie und der Textilindustrie hat es keine Nachfolgebetriebe wie in Freiberg gegeben. Die Bergbauschauanlage, die an späten Nachmittag von den Freibergern besichtigt wurde, brachte für die Gäste Neues und auch viel Vertrautes. So kam es, dass wie immer wenn Berg- und Hüttenleute aus unterschiedlichen Revieren zusammentreffen, die Zeit reichte nicht aus, um alle Probleme zu klären. Aus diesem Grund verspäteten sich die Freiberger auch zum „Schachttag“. Schon die deutsche Bezeichnung für diese Veranstaltung zeigte, dass über Jahrhunderte die deutsche Sprache bei dem Gastgeber eine bedeutende Rolle gespielt hat, und noch heute beherrschen viele Slowaken diese Sprache. Die Tradition des „Schachtags“ hat ihren Ursprung in den Ritualen der ehemaligen Studenten, und dabei spielen natürlich das Bier und der Gesang eine entscheidende Rolle. Die wichtigsten Personen, die zum „Schachtag“ eingeladen worden, müssen sich beim Arschledersprung vorstellen. Dabei werden die Vorgeschlagenen am Ohr von einem „Paten“ zum Bierfass gezogen, und auf diesem stehend sind dann der Name, die Herkunft und das Motto gefragt. Danach müssen beide, der „Delinquent“ und der Pate je einen ½ Liter Bier trinken, und den Abschluss bildet der Sprung vom Fass über das Leder. Bei der Herkunft hat jeder auszuführen, welche Beziehung er zum Bergbau oder zum Hüttenwesen hat. Das Motto kann durch einen Spruch, eine Gedicht, ein Lied oder ein Referat dargestellt werden. Dauern diese Ausführungen zu lang, ruft die Masse so lange „Vivat“ bis das Bierglas angesetzt wird. Hat der Pate das Bierglas vor dem Delinquenten geleert, muss dieser sich den Rest über den Kopf schütten, bevor er zum Sprung über das Leder ansetzt. Natürlich ließ es sich der Veranstalter nicht nehmen, auch den Vorsitzenden der Freiberger zum Sprung zu holen. Das Ohr in der Hand des gastgebenden Ehrenvorsitzenden ging es in Richtung Bierfass. Zum Motto holte sich Knut Neumann Verstärkung. Als er das Steigerlied begann, stimmten die Freiberger mit ein, und alle im Saal erhoben sich von den Plätzen.

Den Abschluss des Schachttages bildete der Kampf um das Bier. Dazu trat je ein Trinkkräftiger aus der Slowakei, der Tschechei, Polen, Russland, Ungarn und Deutschland an. Am Schluss waren nur noch Jürgen Pflüger, der unseren Verein auch zu den Bergmeisterpokalen in dieser Disziplin vertritt, und der Eigentümer der Brauerei „Steiger“ aus der Slowakei im Wettkampf. Es siegte der Bergmann über den Brauer, was natürlich mit großem Beifall honoriert wurde.

Nach einem erfrischenden Bad in der Therme wurden am nächsten Tag das Bergbaumuseum und das Bergarchiv besucht. Für die Freiberger war es natürlich interessant zu sehen, dass alle alten Risse und Akten in Deutsch beschriftet waren. Schemnitz gehörte bis zum Jahr 1918 zu Österreich – Ungarn, und da war die Amtssprache deutsch.

Am Abend wurde es dann für die Freiberger interessant, es nahte der Salamandergang, der Bergaufzug. Dabei erlebten die Freiberger einen Aufzug der besonderen Art. Gleich hinter den Offiziellen der Stadt durften die Freiberger marschieren. Für uns völlig ungewohnt, sangen die Slowaken während ihres Marsches und auch die Ungarn, die hinter uns liefen, stimmten ein Lied nach dem anderen an. Damit hatten wir, die es immer gewohnt sind zur Marschmusik zu marschieren, unsere Probleme. Doch dann war es soweit, und auch wir stimmten unser Steigerlied an, und dies wurde mit viel Beifall honoriert.

Am Sonnabend ging es dann zurück nach Freiberg, und nach der Ankunft ging es ab ins Schloss zum Freiberger Zapfenstreich.

 

Autor: Knut Neumann