Hüttengeschichte Drucken
Die Fachgruppe Hüttengeschichte beschäftigt sich mit der Erforschung, Pflege und Bewahrung des hüttenmännischen Brauchtums. Dabei geht es vor allem um die Erforschung der Geschichte der Produktivkräfte und der Technik in den Hüttenbetrieben des Freiberger Raumes und die Dokumentierung dieser Ergebnisse in Bild und Schriftmaterial. Mit den Hüttenstandorten in Muldenhütten bzw. Halsbrücke, verfügte das Freiberger Land noch bis vor einigen Jahren über Hüttenbetriebe, die in der über 700-jährigen Geschichte (Muldenhütten 1318) maßgeblich die Produktionsgeschichte des sächsischen Hüttenwesens bestimmten und die Bergstadt Freiberg, auf Grund der technischen, wissenschaftlichen und kulturellen Leistungen in der ganzen Welt berühmt machten.

Bei der Produktion, anfangs nur Silber, später auch Blei, Kupfer, Zink, Zinn, Arsen und Schwefelsäure, auf dem Gebiet der Technik, so z.B. die Einführung des Pilzschachtofens 1865 und bei neuen Technologien, wie 1881 das Schwefelsäurekontaktverfahren durch Clemens Winkler, wurde der Weltstand auf dem Hüttensektor mitbestimmt, dies vor allem durch die Verbindung von Theorie und Praxis, durch berühmte Wissenschaftler der Bergakademie Freiberg und bedeutende Praktiker aus den Hüttenbetrieben.

Diese traditionsreiche Vergangenheit des Freiberger Hüttenwesen ist es Wert und Aufgabe zugleich, tiefgründiger zu forschen und die Ergebnisse der Öffentlichkeit zugängig zu machen.

Die Bewältigung der Geschichte des Hüttenwesens ist nicht einfach, da sich schon frühzeitig der Hüttenstandort Muldenhütten (Obere und Untere Muldner Hütte), und später auch der Hüttenstandort Halsbrücke (1612), herausbildete und mit dem Übergang in kurfürstlichen Besitz, ab Mitte des 16. Jahrhundert, nur noch an diesen beiden Orten die Verhüttung durchgeführt wurde. So mußte bei dem über mehrere Jahrhunderte langen Betrieb immer Altes dem Neuen weichen, so dass das Hüttenwesen über sehr wenige Sachzeugnisse verfügt. In der Hütte Muldenhütten befindet sich eines der wenigen Sachzeugnisse aus dem Hüttenwesen, dem sich die Mitglieder der Fachgruppe Hüttengeschichte in besonderer Weise verschrieben haben.

Es handelt sich dabei um das dreizylindrige Balanciergebläse, das seit 1828 an seinem Originalstandort steht und bis 1954 in Betrieb war. Bereits Ende 1986 haben einige der Mitglieder der Fachgruppe mit den Arbeiten zur Erhaltung des Zylindergebläses begonnen, das praktisch dem Verfall preisgegeben war. Nach erfolgreicher Restaurierung von 1991 bis 1993, kann das Zylindergebläse Besuchern wieder in Betrieb vorgeführt werden.

Durch Vorträge, insbesondere in der Veranstaltungsreihe des "Freiberger Altertumsverein e.V." und zum Symposium der Knappschaft werden spezielle Themen der Hüttengeschichte, so über das Leben und Wirken von W. A. Lampadius, die "Hohe Esse" der Hütte Halsbrücke, das Amalgamierwerk Halsbrücke und die Saigerhütte Grünthal, bekannt gemacht.

Seit 1990 bestehen enge Kontakte zu Geschichtsinteressierten aus dem Harz. In den jährlichen Treffen findet ein reger Ehrfahrungsaustausch und Exkursionen zu regionalen Sachzeugnissen des Berg- und Hüttenwesen statt.