14.09.2019 HFBHK "Auf Humboldts Spuren" und beim Großen Sächsischen Bergmännischen Zapfenstreich zur Übergabe der Welterbe-Urkunde auf dem Freiberger Obermarkt Drucken

Welch ein Tag für die Montanregion Erzgebirge-Krusnohory! Welch ein Tag für die Silberstadt Freiberg! Welch ein Tag für die Historische Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft!

Der 14. September 2019 war schon lang geplant für eine Alexander von Humboldt ehrende Berg- und Hüttenparade (in offiziellen Ansprachen und sonstigen Reportagen leider immer wieder verkürzt auf Bergparade!) zum 250. Geburtstag. Eine glückliche Fügung liess einen überstrahlenden Höhepunkt am gleichen Tag geschehen: Die offizielle Übergabe der UNESCO- Weltkultur-Urkunde vom 06.07.2019 an die Montanregion Erzgebirge-Krusnohory.

Es war für die Silberstadt Freiberg eine besondere Ehre, als Ort für die feierliche Urkundenübergabe ausgewählt zu werden. Der Grund liegt v.a. darin, daß von hier die Impulse für das Welterbevorhaben ausgingen. Die Leitung der einschlägigen Projektgruppe lag in den Händen von Prof. Dr. Helmuth Albrecht, Botschafter des Erzgebirges und Direktor des Instituts für Industriearchäologie, Wissenschafts- und Technikgeschichte an der TU Bergakademie. Zusammen mit dem Vorsitzenden des Fördervereins und des Welterbe-Vereins Montanregion Erzgebirge-Krusnohory, Volker Uhlig, Ex-Landrat von Mittelsachsen, wurde das Projekt angepackt, trotz manchen Rückschlägen mit Hartnäckigkeit vorangetrieben und schliesslich nach nahezu 20 Jahren Bemühens (oder wäre der Begriff "Kampf" zutreffender?) zum Erfolg geführt. Was passte da besser als die Zeremonie des "Großen Sächsischen Bergmännischen Zapfenstreichs" des Landesverbandes Sachsen der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine und das auf dem traditionsreichen Obermarkt der Silberstadt.

17 Uhr begann sich das Marschband der Parade auf der Bahnhofstrasse in Bewegung zu setzen, um bald am ersten "Humboldt-Ort" Halt zu machen; am Gedenkstein für Humboldt und seinen Studienfreund Johann Carl Freiesleben, die hier gemeinsam im ehemaligen Kuhschacht Fundgrube untertägige naturwissenschaftliche Studien betrieben. Es war ein außergewöhnlicher Paradeweg, der durch Freiberg ging. Vom Wernerplatz über die B173, über Korn- und Rinnengasse zur Alten Mensa (einst Hotel "Schwarzes Ross") in die Petersstraße. Hier stieß Alexander von Humboldt (alias Thomas Schmalz) zum Paradeband und gesellte sich nach einer Begrüßungsansprache zu den Berg- und Hüttenleuten.

Schließlich begegneten sich am Hauptgebäude der Bergakademie der berühmteste Student Humboldt und sein verehrter Lehrer Abraham Gottlob Werner (alias Uwe Nitschke) der berühmteste Hochschullehrer der Hohen Schule für Berg- und Hüttenleute. Der Schüler wuchs einst über seinen Lehrer hinaus: er widerlegte die Auffassung Werners als glühendster Vertreter der Neptunisten und brach Bahn für die sich dann durchsetzende Auffassung der Plutonisten. Beide schlossen sich der Parade an. Der Dritte im Bund war schließlich am Haus Weingasse 2 ,Johann Carl Freiesleben (alias Andreas Linthe), Humboldts innigster Studienfreund. Zusammen mit Knut Neumann, dem Vorsitzender der Historischen Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft übernahmen sie die Spitze der Festparade, die nunmehr zum Endziel, dem Hof des Schlosses Freudenstein, führte. Den Abschluss der beeindruckenden Berg- und Hüttenparade bildete die Zeremonie einer berg- und hüttenmännischen Aufwartung. Nach einigen Bergmärschen und einer Ansprache des Veranstalters, in Gestalt des Rektors der TU, Magnifizenz Prof. Dr. Barbke, folgte der gemeinsame Gesang des Steigerliedes und danach das Kommando "Wegtreten zum Tscherper und zum Bergbier".

Kaum zwei Stunden später stand die gesamte Mannschaft wieder auf der Burgstraße, um zum "Großen Sächsischen Bergmännischen Zapfenstreich" und zur feierlichen Übergabe der Welterbe-Urkunde aufzuziehen. Die Idee und die Musik zum Zapfenstreich stammen von Hermann Schröter, einem verdienstvollen Bergmusiker und vormaligen Chef des Musikkorps der Stadt Schneeberg, jetzt Landesbergmusikkorps. Waren am Nachmittag zur Parade schon sehr viele Zuschauer unterwegs, so schien zu später Stunde ganz Freiberg und noch einige mehr auf den Beinen zu sein: es konnte - wie man so schön sagt - kein Apfel zur Erde... Nach der Meldung des Vorsitzenden des Landesverbandes, Ray Lätsch, an den sächsischen Ministerpräsidenten, Michael Kretschmer, begann die Zeremonie des Zapfenstreichs.

Die Stabführung hatte der Chef des Landesbergmusikkorps und Musikkorps der Stadt Schneeberg, Landesbergmusikdirektor Jens Brettschneider. Beteiligt waren auch das Bergmusikkorps Saxonia Freiberg, das Bergmusikkorps Olbernhau und das Bergmusikkorps Oelsnitz/Erzgebirge.

Und dann folgte die Hauptattraktion: die Übergabe der Urkunde zur Verleihung des Titels "UNESCU-Weltkulturerbe" durch Michelle Müntefering, Staatsministerin im Auswärtigen Amt der Bundesrepublik an den sächsischen Ministerpräsidenten, der das Dokument unverzüglich weitergab an Volker Uhlig, Vorsitzender des Welterbevereins. Die begleitenden Reden waren kurz und rhetorisch ausgewogen.

Am beeindruckendsden war das hundertfache schallende "Glück auf!" als Reaktion auf die Ansprache Uhligs!

Nach der Beendigung der feierlichen Veranstaltung gab es als "Extra-Bonbon" ein Höhenfeuerwerk von der Halde der "Reichen Zeche". Damit ging der berg- und hüttenmännische Festtag richtig "feurig" zu Ende.

Bereits am nächsten Morgen ging es für eine Abordnung der HFBHK zum Bergaufzug nach Pobershau zum 13. Pobershauer Bergfest. Wenn das Erzgebirge feiert, dann richtig und ausgiebig!

Bergkamerad Dr. Eberhard Pönitz

 
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