22.08.2016 Fachgruppe Bergbaugeschichte auf Exkursion zum Tagebau Vereinigtes Schleenhain Drucken

In diesem Jahr bewegten sich Mitglieder der Fachgruppe Bergbaugeschichte der Historischen Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft nicht wie sonst üblich, auf untertägigen, sondern auf übertägigen Pfaden. Wie in jedem Jahr in bewährter Weise geplant, vorbereitet und organisiert, lotste uns unser Fachgruppenchef Rolf Börner diesmal zu einem Tagebau der Mitteldeutschen Braunkohle AG (MIBRAG) im Leipziger Südraum. Es war der Tagebau Vereinigtes Schleenhain.

Es führte uns der Chef des Besucherservice der MIBRAG, Andreas Ohser, von der Profession her Geologe, ausgebildet in den achtziger Jahren an der Ingenieurschule für Geologie und Bohrtechnik an der Bergakademie Freiberg, gegenwärtig ein Bereich des Beruflichen Schulzentrums für Technik und Wirtschaft Julius Weisbach am Schachtweg. Wir lernten die beeindruckenden Dimensionen des Abbaus von Braunkohle in einem Bergbauunternehmen kennen, die im untertägigen Bergbau nur bei besonders umfangreichen Grubenbetrieben anzutreffen sind.

Der Tagebau Vereinigtes Schleenhain, dessen Aufschluss 1949 begann, im Jahre 1999 nach umfassender Modernisierung erneut in Betrieb ging und dessen Betriebsdauer bis 2040 vorgesehen ist, umfaßt drei Abbaufelder: Schleenhain (Laufzeit bis 2022/23), Peres (Beginn 2014) und Groitscher Dreieck (Aufnahme der Abraumbewegung 2028). Abgebaut werden vier Flöze (Böhlener Oberflöz, Thüringer Hauptflöz, Sächsisch-Thüringisches Unterflöz, Bornaer Hauptflöz) mit einer Mächtigkeit zwischen 3 und 30 Metern.

Einige Parameter des Tagebaus seien genannt;

  • Ar : K-Verhältnis 3 : 1, d.h. ein Kubikmeter Abraum sind für eine Tonne Kohle zu bewegen. Bis zu einem Verhältnis von 10 : 1 gilt die Kohle als wirtschaftlich gewinnbar;

  • Kohleförderung ca. 11 Millionen t/a;

  • Abraumbewegung ca. 30-38 Millionen Kubikmeter/a,

    Imponierend ist auch die eingesetzte Großgerätetechnik in Gestalt von Schaufelrad- und Eimerkettenbaggern, Absetzern und mobiler Fördertechnik. Geradezu gigantisch muten die 34 km Bandanlagen an einschließlich des Kohlemisch- und Stapelplatzes mit zwei Portalkratzern, einem Haldengerät und der LKW-Verladung. Die beigefügten Bilder (Quelle: Internetpräsentation MIBRAG) lassen einen Eindruck der Dimensionen eines solchen Tagebauunternehmens entstehen.

    Im Verlaufe unserer Befahrung mit einem robusten geländegängigen Spezialbus verschafften wir uns von einer Aussichtsplattfom einen Überlick über die Tagebauausmaße, fuhren zu einem Schaufelradbagger im Abraumschnitt, zu einem Kohlebagger im Verbund mit einem Bandwagen und zum Kohlemisch- und Stapelplatz im Tagebau Peres, von dem aus die gut gemischte Kohle ihren Weg zum Kraftwerk Lippendorf antritt. Bei der Fahrt dorthin kamen wir am Montageplatz für einen neuen Masseverteiler vorbei, der von FMA (Förderanlagenbau Magdeburg, ehemals das weltbekannte DDR-Kombinat (Tagebauausrüstung, Kran- und Förderanlagenbauanlagen TAKRAF) gebaut wird.

    Unsere Exkursion in den Tagebau Vereinigtes Schleenhain war in Summe eine sehr gute und erlebnisreiche Ergänzung unseres Fachgruppenprogramms.

    Bergkamerad

    Eberhard Pönitz

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